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Jakob macht Umwege
Einmal erzählte uns Oma von Abrahams Enkel Jakob. Das war, als
Amos mich in einen Dornbusch geschubst hatte, weil er keine große Schwester
mehr haben wollte. „Ich will Erster sein!“, rief er laut. „Wer hat dich bloß
vor mir auf die Welt kommen lassen?“ Opa ließ die Flöte sinken. „Das war Gott“,
sagte er. Und Oma erzählte, dass Amos nicht der Erste sei, der nicht gern
Zweiter war.
Jakob hatte einen
Zwillingsbruder, Esau. Aber die beiden waren einander nicht ähnlich, wie
Zwillingsbrüder manchmal sind. Sie waren ganz verschieden. Esau war rau und
wild und wurde ein Jäger. Jakob war ruhiger. Er blieb bei dem Haus und den
Herden.
Jakobs Mutter erzählte,
dass die beiden Söhne schon bei ihrer Geburt darum gestritten hatten, wer der
Erste war. Esau kam zwar ein wenig eher zur Welt, aber Jakob folgte sofort und
hielt Esaus Fuß umklammert. Und so blieb es, als die Söhne älter wurden: Immer
war Esau ein wenig voraus, aber niemals gab sich Jakob geschlagen.
Eines Tages, als Jakobs
Vater alt geworden war und fühlte, dass er sterben würde, rief er nach seinem
ersten Sohn. Er wollte ihm zum Abschied den Segen der Familie geben, der immer
nur vom Vater an den ersten Sohn gegeben wird. Aber Esau war nicht da und nur
Jakob hörte seinen Vater rufen. „Das ist deine Chance“, sagte seine Mutter.
„Geh zu deinem Vater. Er kann nicht mehr gut sehen. Sag, dass du Esau bist, und
lass dich segnen.“
Jakob tat, was seine
Mutter ihm riet, und der Plan gelang. Der Vater gab Jakob den
Erstgeborenensegen und starb. Und Jakob glaubte für einen kleinen Augenblick,
dass er nun endlich Erster wäre.
„Und Esau?“, fragte Amos empört. „Was hat Esau dazu gesagt?“
Oma runzelte die Stirn. „Der war natürlich wütend“, sagte sie. „Mit Recht!“
Amos war auch wütend. „Jakob musste fliehen“, sagte Oma, „vor seinem eigenen
Bruder.“ „Geschieht ihm recht“, knurrte Amos. „Wer kann denn so was verzeihen?“
Opa nahm die Flöte und blies einen ganz sanften Ton. „Gott“, sagte er. „Gott
hat das verziehen.“ Und Oma erzählte den Rest: Dass Gott Jakob auf seiner
Flucht begleitet hat und auch zurück nach Hause. „Und da“, sagte Oma und ich
sah, dass sie sich freute, „da hat ihm Esau auch verziehen.“
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